Datev Challenge Roth am 7. Juli 2019

Langdistanz (3,8 km - 180 km - 42,2 km)
Name, Vorname Schwimmen Radfahren Laufen Gesamtzeit Gesamtz-platzierung Platzierung AK
Dreitz, Andreas 00:51:28 04:13:12 02:51:11 07:59:02  1. Gesamt 1. M30

Süddeutsche Zeitung

SPORT

  • Montag, 8. Juli 2019
  • Artikel 21/21

TriathlonTief überwunden

Der Oberfranke Andreas Dreitz gewinnt den Triathlon-Klassiker in Roth. Die schnellste Frau ist die Vorjahreszweite Lucy Charles-Barclay.
Erleichterter Zieleinlauf: Andreas Dreitz auf seinen letzten Metern. Foto: Daniel Karmann/dpa

Nach seinem Triumph beim Triathlon-Klassiker in Roth bekam Andreas Dreitz von Freundin Isabel einen Kuss. In dem ordentlich besetzten Starterfeld überquerte der 30 Jahre alte Vorjahreszweite am Sonntag nach einer imponierenden Leistung in 7:59:02 Stunden als erster Athlet die Ziellinie. Bei den Frauen verpasste Daniela Bleymehl die Wiederholung ihres Vorjahressiegs. In 8:43:17 Stunden wurde die gebürtige Darmstädterin Dritte. Die Vorjahreszweite Lucy Charles-Barclay (8:31:09) war dagegen auch von vor der Australierin Sarah Crowley (8:38:11) nicht aufzuhalten. "Es war Wahnsinn. Ich bin durch so viele Höhen und Tiefen gegangen heute", sagte der Lichtenfelser Dreitz, der mittlerweile in Bayreuth lebt. "Die letzten Meter waren so hart, die Stimmung aber war unendlich geil. Ich kann es noch gar nicht fassen, ich muss erstmal wieder zu mir kommen." In Abwesenheit der deutschen Stars Jan Frodeno, Patrick Lange und Sebastian Kienle hatte Dreitz im Ziel 3:18 Minuten Vorsprung vor dem Schweden Jesper Svensson. Dritter nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen wurde Cameron Wurf aus Australien mit einem Rückstand von 5:06 Minuten. "Jetzt habe ich mir ein bisschen Urlaub verdient", sagte Dreitz, der sich auf Wunsch seiner Freundin aufs Wandern in Norwegen freuen darf. Vorjahresgewinner Kienle war wie auch Frodeno und Lange in der vergangenen Woche bei der Ironman-EM in Frankfurt gestartet und verzichtete diesmal auf den Wettkampf in Roth. Die Bühne für Dreitz war bereitet.

Drei Minuten Rückstand nach dem Schwimmen hatte Dreitz auf den Spitzenmann Svensson. Die starke Schwimmerin Charles-Barclay wies hinter dem Schweden sogar die zweitbeste Zeit im Wasser auf. Dreitz machte dann zusammen mit dem Freiburger Andreas Böcherer auf dem Rad richtig Tempo. Svensson konnte nicht mitgehen. "Ich hatte gute Beine, es hat Spaß gemacht", sagte Dreitz. Nach den 180 Kilometern auf dem Rad wechselten Dreitz und Böcherer im Grunde zeitgleich in die Laufschuhe. Während Dreitz stabil beim Marathon war, fiel Böcherer immer weiter zurück. Dafür heftete sich Svensson an die Fersen des Lokalmatadors. Dreitz ließ sich trotz Problemen von seinem ersten Erfolg in Roth nicht abbringen. "Ich hatte ein richtiges Tief zur Hälfte vom Marathon", sagte er und ergänzte erschöpft: "Ich bin megaglücklich, dass ich als Erster über die Ziellinie laufen durfte."

Bleymehl, geborene Sämmler, hatte nur sieben Tage nach ihrem vorzeitigen Aus beim Hitze-Ironman in Frankfurt wegen eines Virus ihren Start bei der Challenge Roth noch kurzfristig zugesagt. Als Zweite mit einem Rückstand von 5:45 Minuten auf Charles-Barclay stürzte sie sich in den Marathon. Bleymehl, die 2018 nur neun Sekunden Vorsprung auf Charles-Barclay im Ziel gehabt hatte, kam vorübergehend heran. Sie musste dann jedoch Crowley an sich vorbeiziehen lassen und wurde schließlich Dritte. "Es hätte auch nach hinten losgehen können. Bei 100 Prozent war ich nicht", sagte Bleymehl, sie sah zufrieden aus.

 

 

SZ vom 9. Juli 2018

 

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  • Dienstag, 9. Juli 2019

  • Artikel 21/26

 

TriathlonAlles im Fluss

 

 

Erstmals gewinnt ein Franke den Klassiker im fränkischen Roth: Der 30 Jahre alte Andreas Dreitz hat sich nach bescheidenen Anfängen in die Spitze der Langstrecke gehievt.

 

 

 

Von Johannes Knuth

 

 

 

Wer acht Stunden lang durch die Gegend schwimmt, radelt und rennt, der lernt recht bald die erste, unumstößliche Spielregel des Langstrecken-Triathlons kennen: Irgendwas geht immer schief, ob als Amateur oder Profi. Und so erging es natürlich auch dem Berufssportler Andreas Dreitz, als er sich am Wochenende an den prestigeträchtigen Triathlon in Roth wagte. Wobei der 30-Jährige sich zu einem eher ungewöhnlichen Zeitpunkt in sein erstes Tief verhedderte: gleich am Anfang.

 

Da verlor Dreitz die Gruppe der besten Schwimmer erst mal aus den Augen. Aber nur für eine Weile, ein paar Konkurrenten hatten sich offenbar übernommen und schlitterten nun ihrerseits in ihr erstes Tal. Dreitz wiederum fing sich, er kletterte nach 3,8 Kilometern zu Wasser bloß mit drei Minuten Rückstand auf die Besten aus dem Main-Donau-Kanal. Und jetzt kam ja das Radfahren, seine stärkste Disziplin, die ihn durch den Rother Landkreis führte: Da kennt der Oberfranke Dreitz mittlerweile jede Kurve, wie er sie anfahren muss und so ein paar Sekunden schneller wieder herauskommt als die Verfolger. Nach 180 Kilometern auf dem Rad hatte Dreitz die Führung tatsächlich an sich gerissen, und obwohl er im abschließenden Marathon noch mal durch ein, zwei dunkle Moment stolperte: Er triumphierte zum ersten Mal in der fränkischen Heimat, nach Platz zwei im Vorjahr und vielen Jahren zuvor, in denen er das Rennen als Zuschauer erlebt hatte. "Gänsehaut" habe er damals verspürt, erinnerte sich Dreitz jetzt in Roth, und das durfte man wohl nicht nur auf seine Rolle als einstiger Fan, sondern auch als neuer Roth-Sieger beziehen.

 

Dreitz zog 2009 zum Studieren nach Bayreuth, wo er bis heute lebt

 

Die deutsche Triathlon-Szene erlebt gerade mal wieder bewegte Tage. Vor einer Woche gewann Jan Frodeno beim Ironman in Frankfurt das Kräftemessen der besten deutschen Langdistanz-Könner, die sich seit 2014 die Titel beim Jahreshöhepunkt auf Hawaii aufgeteilt haben: Frodeno, Sebastian Kienle, Patrick Lange. In Hamburg kam am vergangenen Wochenende die Elite auf der olympischen Distanz zusammen (1,5 km/40 km/10 km), wo die lange verwöhnten Deutschen zurzeit nur eine Athletin in der Weltspitze aufbieten - Laura Lindemann wurde beim Weltcup Siebte - am Sonntag deutete die Auswahl der Deutschen Triathlon Union mit Platz zwei in der Mixed-Staffel immerhin an, dass ihr Neuaufbau allmählich vorangeht. Und in Roth stieg zeitgleich der europäische Klassiker - ohne die besten Deutschen zwar, aber doch wieder mit einem deutschen Sieger, der erst nach und nach geglaubt hatte, dass es wirklich was werden würde mit dem Erfolg eines Franken überhaupt in Roth. Was auch Dreitz' bisherige Karriere gar nicht so schlecht zusammenfasst.

 

Er blickt nicht auf eine pralle Anfangszeit auf der Kurzstrecke zurück, wie Anne Haug oder Frodeno, die nach Jahren in Kadern und olympischen Rennen in ein zweites Sportlerleben auf der Langstrecke wechselten. Dreitz wuchs in Lichtenfels auf, 2009 zog er zum Studieren nach Bayreuth, wo er bis heute lebt. Ein Jahr zuvor hatte er seine erste Kurzdistanz in Altenkunststadt bestritten, er gewann ein paar Mal den Triathlon am Rothsee und trat in der zweiten Bundesliga an. Nebenbei schaute er immer wieder in Roth vorbei, damals noch beseelt von dem Gedanken, die klassische Langdistanz irgendwann mal zu schaffen. Bis er besser und besser wurde. Und irgendwann dachte, dass es vielleicht sogar mit einem Erfolg was werden könnte. 2014 gewann er sein erstes Rennen über die halbe Langstrecke, das Erdinger-Profiteam bot ihm einen Vertrag an; die deutschen Erfolge haben in den vergangenen Jahren viele Sponsoren in den Sport gelockt. Vor zwei Jahren wagte sich Dreitz dann an seine erste Langdistanz, in Emilia Romagna. Er startete mutig, ging auf dem Rad in Führung - und gewann. Allen unumstößlichen Spielregeln zum Trotz.

 

"Ich schau am liebsten auf mich, auf mein Rennen, mein Tempo"

 

Von den Anfängen beim Volkstriathlon übers Fan-Dasein bis zum Profi - was in anderen Sportarten kaum möglich ist, ist im Triathlon gar nicht so ungewöhnlich. Die Übergänge sind fließend, ein wenig erinnert Dreitz' Laufbahn da an jene von Timo Bracht: Der qualifizierte sich einst als Amateur für Hawaii, war dort einer der Besten und erarbeitete sich nach und nach so viele Sponsoren, dass er seinen Job als Sportlehrer ruhen ließ. Und so wie Bracht mag auch Dreitz das Selbstbestimmte auf der Langstrecke, wo die Triathleten von der Länge der Rad-Socken bis zum Ernährungsplan alles austüfteln. "Ich schau am liebsten auf mich, auf mein Rennen, mein Tempo", sagte Dreitz zuletzt im Bayerischen Rundfunk, was im fränkischen Idiom ("Dembo") immer sehr viel gemütlicher klingt als es die Hatz im Rennen vermuten lässt. Aber Dreitz kommt auch nicht wie einer daher, der sich manisch in der Tüftelei und den Qualen seines Sports verliert. "Es ist einfach die Liebe zum Radsport und zur Natur", sagte er in Roth auf die Frage, was er am Triathlon am meisten schätze. "Wir haben allein hier in Franken wunderschöne Straßen und Seen", die könne man in seinem Sport nun mal am besten erkunden.

 

Und nun? Wird Dreitz erst mal ein bisschen in Norwegen urlauben, dort gibt es ja auch ein paar nette Seen und Straßen. Und dann geht es schon zur Ironman-WM über die halbe Distanz in Nizza und natürlich zum Höhepunkt auf Hawaii. Dreitz wird dort wohl kaum öffentlich große Ambitionen geltend machen, gegenüber Frodeno, Kienle, Lange und der übrigen internationalen Elite. Aber wenn ganz vorne etwas gewaltig schiefgehen sollte - der neue Roth-Sieger stünde sicher bereit.